Eingangsituation, Foyer, Neubau

Neubau Hotel Freigeist, Northeim

10.09.2008
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'Ein neuer Geist im Wieter', mit diesem Titel titulierte treffend eine lokale Zeitung die Eröffnung des neuen Hotels Freigeist in Northeim. Nach nur neuen Monaten Bauzeit wurden 2 Gebäude des Areals komplett saniert. Ein Neubau ergänzt mit einer großzügigen Eingangssituation, Seminarräumen und weiteren Hotelzimmern die bestehende Substanz aus Hotelerie und Gastronmie.

Interview mit Freigeist Architekt Roman Graf

Herr Graf, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit den Investoren und Bauherren Carl Graf von Hardenberg und Georg Rosentreter?

Roman Graf: „Das beruht auf zweierlei Dingen: Mein Büro ist bereits seit 1997 für Graf von Hardenberg tätig, und wir entwickeln und betreuen seit langer Zeit schon Baumaßnahmen auf dem gräflichen Landsitz. Einige der Projekte, die die erfolgreiche und langjährige Zusammenarbeit widerspiegeln sind sicherlich die Sanierung des Verwaltungsgebäudes, die Umbauten der Kornbrennerei sowie der Neubau der Driving-Ranch und des Golf-Shops in Levershausen. Im Frühjahr 2008 konnten wir die Küchenerweiterung und den Wintergarten des Golfclubs als Ergänzung zu den bestehenden Gebäuden fertig stellen.
Bezüglich des Projektes Hotel Freigeist kommt hinzu, dass wir von der Kreissparkasse Northeim im Herbst 2006 den Auftrag erhielten, das damalige Waldhotel Gesundbrunnen eingehend im Hinblick auf eine zukünftige, sinnvolle und mit dem Standort verbundene Nutzung zu untersuchen. Im Sommer 2007 entwickelte sich aus den Alternativen das Hotel Freigeist in seiner jetzigen Form. Es war wirtschaftlich, organisatorisch und gestalterisch die geeigneteste Lösung. Carl Graf von Hardenberg und Georg Rosentreter gründeten dann zusammen eine Gesellschaft und übernahmen das Projekt von der KSN.“

Welche Vorgaben haben Ihnen die Bauherren gemacht und inwiefern blieb Ihnen die Freiheit, eigene Ideen umzusetzen?

Roman Graf: „Zu Beginn einer Planung wird der Architekt auch gerade deshalb einbezogen, um sein „Know-how“ auf sehr unterschiedlichen Gebieten einzubringen. Dies ist zum Beispiel die Kreativität, die ein Architekt schon von der Berufsausbildung her mitbringt. Man entwickelt eine Fülle von unterschiedlichen Ansätzen und Ideen, ordnet diese und sucht mit dem Bauherren zusammen die optimale Lösung. Wir sind der Ideenlieferant, im Dialog und im Kontext mit den Bauherren verdichten sich die Möglichkeiten zu einer gestalterischen, ökonomischen, ökologischen und nachhaltigen Lösung. Wenn zwischen Bauherr und Architekt ein gutes Miteinander herrscht, finden sich immer die optimalen Lösungen. Es sollte ein ständiger Dialog stattfinden, dann nutzt der Bauherr das kreative Potential des Architekten.“

Haben Sie zunächst versucht, Ihre Vorgaben im Umbau umzusetzen und den Neubau im Anschluss entsprechend zu gestalten oder eher umgekehrt?

Roman Graf: „Eine solch komplexe Bauaufgabe wird aus mehreren Ebenen heraus entwickelt. Zum einen ist da der Ort, an dem man baut. Man befasst sich mit dessen Historie. So habe ich im Stadtarchiv Northeim recherchiert und mir alte Pläne und Fotografien herausgesucht. Die Entwicklung des Ortes in historischen Zusammenhang ist ein wichtiger Anknüpfungspunkt. Weiter untersucht man die vorhandenen Gebäude auf Stärken und Schwächen in der Bausubstanz. Es gibt gestalterische, funktionale und technische Schwächen. Dann gibt es die neuen Anforderungen, die ein Bauherr an diesem Standort erfüllen will und muss. Aus dem Zusammenfügen all dieser Bedingungen entwickeln sich die Lösungsansätze für das Projekt. Ein kleines Beispiel hierfür: Ein für die heutige Zeit nicht unbedeutender Mangel im alten Hotel war zum Beispiel, dass der gesamte Bau nicht behindertengerecht war. Dies zu ändern war also einer der Bausteine für die Neugestaltung. Neben vielen anderen technischen Mängeln, die wirtschaftlich nicht zu sanieren waren, führte dies dazu, einen Teil des alten Komplexes abzureißen. So wurde eine behindertengerechte Lösung erst möglich. So wurde durch den Teilneubau z.B. auch das Restaurant behindertengerecht erschlossen. Das neue Foyer, das nun als klar strukturierter und eindeutiger Eingangsbereich für Hotel, Seminarräume, Bankett und Restaurant entwickelt wurde, vermittelt architektonisch den ersten Eindruck.“

Welche Stilrichtung weist der Freigeist auf?

Roman Graf: „Wir verfolgen keinen festgelegten Stil, sondern orientieren uns mit unserer Architektur am Bauort, an der Bauaufgabe und nicht zuletzt am Bauherren, dessen Anforderungen das Projekt erfüllen, auf den es zugeschnitten sein muss. Wir hatten beim Freigeist Altes zu bewahren, es aber so zu modernisieren und mit einem Neubau zu ergänzen, dass es den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht wird. Architektur darf keinen „Moden“ folgen, aber „modern“ muss sie schon sein. Wichtig ist uns, dass Gebäude in einer gewissen zeitlosen Eleganz entwickelt werden, damit sie auch nach Jahren noch nicht „aus der Mode“ kommen. Mit anderen Worten: Ein Bauwerk muss in ehren altern“

Was für Materialien haben Sie hauptsächlich verwendet?

Roman Graf: „Der Freigeist lebt von seinen natürlichen Materialien, die den Standort wieder aufnehmen. Da sich das Hotel inmitten der Natur befindet, drängt sich auch die Verwendung verschiedenster natürlicher Materialien auf. Von außen fallen da beispielsweise die Holz- und Natursteinfassaden auf. Auch im Inneren des Gebäudes setzen sich diese Ansätze konsequent fort. Betritt man das Gebäude, so steht man auf Naturschieferböden und sieht um sich herum wiederum Holz, Naturstein und Stahltafeln mit rostiger Farbe, die dem Raum Wärme verleihen.
Ergänzung finden diese Materialien durch den bewussten Einsatz von verglasten Flächen. Als Beispiel können wir einmal die besondere Gestaltung der Freitreppe im Foyer betrachten. Schreitet man sie hinauf, ist die linke Brüstungsseite mit Glas transparent gestaltet und schafft einen direkten Bezug nach Außen zu Vorfahrt und Umgebung. Die rechte Seite ist mit rostigen Stahlblechen verkleidet. Sie gibt dem Besucher ‚Halt’, führt ihn hinauf und schafft ‚Wärme’. Die integrierte Beleuchtung unterstützt diese Führung und leitet ihn in das Restaurant und Obergeschoss des Hotels. Erst die Kombination von gestalterischen Mitteln schafft letztendlich die Architektur, die den ‚Freigeist’ ausmacht.
Auch an vielen anderen Stellen des Gebäudes haben wir auf ähnliche Weise gearbeitet, man spürt es, sieht es aber oft erst beim zweiten hinsehen. Dass die Natur auf unterschiedliche Arten ins Innere transportiert wird, zeichnet das Hotel als etwas ganz besonderes aus.“

Welche architektonischen Besonderheiten zeigen sich im Freigeist?

Roman Graf: „Architektur sehen wir immer ganzheitlich. Für uns muss das Gesamtbauwerk sehr ausdrucksstark sein. Zusätzlich lebt Architektur natürlich auch von Besonderheiten. Wir haben in unserem Entwurf sehr viele Emotionen gelegt. Für uns ist z.B. ein Foyer in einem Hotel sehr wichtig. Dort stellt sich jedem unbewusst die Frage: Wie werde ich von diesem Gebäude empfangen? Im Foyer entsteht der erste Eindruck, und der ist bekanntermaßen oft ausschlaggebend für das eigene Empfinden. Das Foyer soll einen „Aha-Effekt“ auslösen, ein Erlebnis implizieren. Man hält einen Moment erstaunt inne. Wenn das eintritt, haben wir es richtig entwickelt. Ebenso soll dieser Bereich aber auch Orientierung geben. So bietet das Foyer im Freigeist verschiedenste Wege wie die eben beschriebene, einladende Treppe zum Restaurant und Bankett an. Von hier sind alle Bereiche zu erleben.“

Welches war die größte Herausforderung an diesem Projekt?

Roman Graf: „Definitiv die Kürze der Bauzeit. Ende November 2007 fiel erst die eigentliche Entscheidung für das Projekt. Bis zum Weihnachtsfest hatten wir den Bauantrag fertig zu stellen, und schon im Januar und Februar wurde der notwendige Abriss von Teilen des alten Komplexes vorgenommen. Ende Februar bekamen wir die Baugenehmigung und konnten auch mit dem Neubau beginnen. In nur weiteren sechs Monaten stellten wir das Projekt schließlich in seinem vollen Umfang fertig. Diesen Terminplan den Bauherren gegenüber zu gewährleisten war unsere größte Herausforderung. Es waren 40 Firmen und neun Planungsbüros dafür im Einsatz. Mich fragte ein befreundeter Bauhandwerker neulich, ob es mit anderen Projekten nun noch schneller gehen könnte oder ob hier die Grenzen erreicht sind. Ich neige dazu, den zweiten Standpunkt zu vertreten, aber man weiß ja nie. Eine weitere Herausforderung ist natürlich auch die gewohnte Qualität, die wir trotz aller der Kürze der Bauzeiten liefern wollten und auch geliefert haben. Zudem wohnten ab Juni bereits erste Gäste während der Baumaßnahmen im sanierten Bettenhaus. Das Restaurant startete im Juli. Die Gäste waren über die noch andauernden Baumaßnahmen informiert und teilweise an dessen Fortschritt sehr interessiert. Dies war eine neue Situation und eine weitere interessante Herausforderung.“

Welche Bedeutung hat der Freigeist für Sie?

Roman Graf: “Der Freigeist ist ein wichtiges Objekt in meinem Büro, weil es eine sehr schöne Bauaufgabe war, und natürlich eine Herausforderung an die Leistungsfähigkeit meiner Mitarbeiter und meiner Person darstellte. Diese Herausforderung haben wir gemeistert. Zusätzlich hat dieses Projekt eine überregionale Bedeutung. Dennoch gehen wir in unserem Büro an jedes Projekt mit der gleichen Intensität und dem gleichen Engagement.“

Zum Abschluss: Welche spannenden Projekte dürfen wir in Zukunft von Ihnen erwarten?

Zurzeit arbeiten wir an einer größeren Sanierungsmaßnahme für die KSN Northeim in Einbeck. Am Mittwoch war bereits das Richtfest und wir planen die Fertigstellung für das zeitige Frühjahr 2009. Außerdem arbeiten wir an einem Neubau in Rosdorf, in dem sich eine Wohnanlage und eine Kinderkrippe mit zwei Gruppen verbinden sollen. Dieses Bauwerk muss im August 2009 fertig übergeben werden. Weitere Projekte befinden sich im Planungsstadium.“

Das Interview wurde in Zusammenarbeit mit Swenja Luttermann, Freie Mitarbeiterin HNA Northeim, Hessisch Niedersächsische Allgemeine, geführt.